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29.06.2018

HTWK Leipzig: Fußballroboter des "Nao-Team HTWK" erstmals Weltmeister im RoboCup

In einem atemberaubenden Finale erkämpften sich die Roboter-Fußballer der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) am 21. Juni 2018 erstmals den Weltmeistertitel bei der RoboCup-WM. Das Nao-Team HTWK, amtierender Deutsche Meister, gewann in Montreal (Kanada) mit einem 1:0 gegen seinen Dauerrivalen B-Human, dem Team der Universität Bremen

und des Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Das Siegestor fiel erst in der zweiten Halbzeit – ein Spiel dauert zwei Mal zehn Minuten – und kurz vor Schluss wäre B-Human fast noch der Ausgleich gelungen, doch eine Glanzparade des Leipziger Torwarts konnte dies in letzter Sekunde verhindern.

Die Freude war entsprechend groß: "Nach neun Jahren in der Standard Platform League sind wir natürlich extrem glücklich, auf dem obersten Treppchen zu stehen. Das Finale war sehr spannend und es war interessant, die zwei komplett verschiedenen Taktiken zu sehen: Unser Team dribbelt den Ball, B-Human hingegen ist für seine langen, präzisen Schüsse bekannt. Diese Schüsse konnten unsere Verteidiger und vor allem unser Torwart jedoch mit Bravour abfangen", fasst Teamchef Rico Tilgner das Endspiel zusammen. 

Foto: "Weltmeister-Banner", gestaltet von Kyra Prohaska/HTWK Leipzig

Klaus Bastian, Professor für Systemprogrammierung an der HTWK Leipzig und Betreuer des Nao-Teams, ergänzt: "In diesem Turnier und schon im April bei der GermanOpen war deutlich zu sehen, dass die Leipziger Informatiker in verschiedenen Bereichen Fortschritte gemacht haben. Insbesondere die neue Walking-Engine - die Steuerung der Schritte - in Kombination mit dem verbesserten Dribbeln hat unsere Spielstärke deutlich erhöht. Insofern war der Sieg bei den deutschen Meisterschaften in Magdeburg schon ein Indikator, der auf mehr hoffen ließ. Wie man aber am Verlauf des WM-Finales sehen konnte, ist Fußball auch von etwas Glück abhängig. Insgesamt scheint das Niveau in der Standard-Plattform-Liga deutlich ausgeglichener zu sein als in früheren Jahren, was für die Zukunft noch interessante Turniere erhoffen lässt."

Der Weltmeistertitel ist die Krönung der jahrelangen erfolgreichen Entwicklung des Nao-Teams HTWK. Zuletzt hatte die Mannschaft den deutschen Meistertitel der RoboCup German Open Ende April 2018 in Magdeburg geholt, nach einigen Jahren als Vize. 

Zur vollständigen Pressemitteilung.

 

 

Der RoboCup-Weltmeister im Interview mit dem Cluster IT Mitteldeutschland e.V. - Drei Fragen an Prof. Dr. Klaus Bastian:

Cluster IT: Wie fühlt es sich an RoboCup-Weltmeister zu sein? Was bedeutet der Sieg für das Team?

Das Leipziger RoboCup-Team hat von Anbeginn in der Standard-Plattform-Liga eigene Ideen umgesetzt und bewusst auf das (erlaubte) Kopieren erfolgreicher Konzepte der Gegner verzichtet. Nur so kann das Anliegen des Wettbewerbs, die besten KI-Systeme zu ermitteln, wirklich umgesetzt werden. Dass diese Leipziger Software gut war, konnte man in den vergangenen Meisterschaftsrunden deutlich sehen: Die Informatiker der HTWK kamen oft in die Finals und sogar auf das Treppchen. Dass nun in diesem Jahr der ganzgroße Wurf gelang ist natürlich Grund zur Freude und Bestätigung des selbst gewählten Weges.

Cluster IT: Was genau sind die Stärken des Nao-Teams, die letztendlich zu dem Sieg geführt haben?

Das Nao-Team HTWK ist mehr als ein schlichtes Studententeam. Um das Wissen über den Verlauf von neun Jahren an die nachfolgenden Studierendengenerationen weiterzugeben, bäuchten wir an der Hochschule bzw. in der Fakultät Informatik, Mathematik und Naturwissenschafteneinen Mittelbau von Assistenten und Doktoranden, den es an Hochschulen für angewandte Wissenschaft nicht gibt. Nur der über Jahre währende freiwillige und unbezahlte Einsatz unserer Ehemaligen kann diesen Mangel ausgleichen und das Team kontinuierlich erfolgreicher werden lassen. Eine solche Konstellation ist für die Hochschule ein großes Glück und den längst erfolgreich im Berufsleben stehenden Ehemaligen gebührt ein ganz herzlicher Dank!

Cluster IT: Was kommt jetzt nach dem RoboCup 2018? Worauf arbeitet das Team jetzt hin?

Nach dem RoboCup ist vor dem RoboCup - ein Spruch der es in sich hat. Sowohl der Wettbewerb an sich als auch die Teams wie unser Nao-Team HTWK vermissen das nachhaltige Engagement der Industrie. Die allseits kolportierte "Zielsetzung", im Jahr 2050 den FIFA-Weltmeister mit Roboterfußballern bezwingen zu können, ist auf der Basis eines prekär finanzierten Hochschulwettbewerbs nicht zu erreichen. Dass wir in diesem Jahr so abschneiden konnten, verdanken wir zu 100% der großzügigen Finanzierungdurch die HTWK: Hardwarekosten, Reisekosten und Teilnahmegebühren bewegten sich um einem mittleren fünfstelligen Betrag. Eine solche Plünderung des Hochschulhaushalts kann man ein weiteres Mal nicht verantworten. Wir wünschen uns aber nicht nur eine kontinuierliche finanzielle Unterstützung der Teams sondern auch grundlegendes Interesse an den thematischen Zielsetzungen.

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